Bob Dylan // Rough And Rowdy Ways

 

Singer/Songwriter Mit ‚Rough And Rowdy Ways‘, seinem 39. Studioalbum, veröffentlicht Bob Dylan (78) nach acht Jahren erstmals wieder ein Album mit zehn frischen Tracks. Sie sind Dylans erste neue Eigenkompositionen, seit er 2016 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde – eine Ehrung, mit der die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften „seine poetischen Neuschöpfungen in der großen amerikanischen Songtradition“ würdigte.

Mit einem neuen, eindrucksvollen Studiowerk in schwierigen Corona-Zeiten meldet sich der Songdichter Bob Dylan, der in diesen Tagen seinen 79. Geburtstag feiern kann, zurück. Nachdem der Musiker in den vergangenen Monaten bereits völlig überraschend sein Epos, die 17 Minuten lange Ballade „Murder Most Foul“, sowie die Songs „I Contain Multitudes“ und „False Prophet“ vorgelegt hat, knüpft er mit dem am 19. Juni 2020 erscheinenden Doppelalbum ‚Rough And Rowdy Ways‘ nahtlos an das 2012 ebenfalls mit eigenen Liedern veröffentlichte Album ‚Tempest‘ an. Das Cover des Albums zeigt in gedeckten Farben eine Fünfzigerjahre-Szenerie mit einem anonymen Tanzpaar und einem Mann an einer Jukebox in einem Klub oder einer Kneipe. Der Albumtitel ist wie so oft bei Dylan eine Referenz an berühmte Persönlichkeiten aus Literatur und Musik, diesmal an den legendären Country-Sänger Jimmie Rodgers (1897–1933) und dessen Song „My Rough And Rowdy Ways“. Und irgendwie scheint Bob Dylan an frühere Zeiten anknüpfen zu wollen, wie in dem Blues-Titel „False Prophet“. „I ain’t no false prophet / I just know what I know / I go where only the lonely can go“, klagt Dylan mit grummelnder, knarzender Stimme die Herrscher an, die das Land beherrschen und vergiften. In dem Langgedicht „Murder Most Foul“, mit dem Dylan zum ersten Mal in seiner Karriere einen Nummer-1-Hit in den US-Charts landete, lässt er in einem breiten Bogen den Mord am jungen US-Präsidenten John F. Kennedy 1963 sowie das politische, gesellschaftliche und kulturelle Lebensgefühl der Sechzigerjahre Revue passieren. Viel persönlicher und milder hingegen klingt die deutlich kürzere Ballade „I Contain Multitudes“. Der Titel des Tracks ist ein direktes Zitat aus Walt Whitmans Gedicht „Song Of Myself“ aus „Leaves Of Grass“. Der amerikanische Dichter und Literat sagt darin: „Do I contradict myself? / Very well then I contradict myself / (I am large, I contain multitudes.)“ Und so sind auch die einzelnen Strophen von Bob Dylans neuem Song Skizzen über Widersprüche. Auch wenn der Sound des späten Bob Dylan auf ‚Rough And Rowdy Ways´ keine wirklichen Überraschungen mehr parat hält, ist er doch Beleg für die große Songwriter-Kunst des Altmeisters. Ob Folk, Country, Blues oder Roots-Rock, seine sich nie anbiedernden Songschöpfungen, die in der großen amerikanischen Songtradition stehen, zeigen einmal mehr, dass sein eigenständiges, erfindungsreiches Werk auch heute noch Zeugnis von seiner rätselhaften
Persönlichkeit ablegt.

 

Bob Dylan – Rough And Rowdy Ways (Columbia/Sony) 2CD 194397809824 // ab 19.6. im Handel / 2LP 194397809916 // ab 17.7. im Handel